Berliner Medizinische Gesellschaft

Langenbeck-Virchow-Haus

Langenbeck-Virchow-Haus, 2005
Langenbeck-Virchow-Haus, 2005

Errichtung

Mit der steigenden Mitgliederzahl Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Langenbeck-Haus in der Ziegelstraße, das von der Berliner Medizinischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie gemeinsam genutzt wurde, bald zu klein und ein Neubau erforderlich.

Das Grundstück in der Luisenstraße 58/59 wurde 1910 durch die Berliner Medizinische Gesellschaft für 603.000 Reichsmark erworben. Zusammen mit den Chirurgen vereinigte sie sich 1913 in Form einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts als Trägergesellschaft des neu zu errichtenden Langenbeck-Virchow-Hauses.

Am 1. August 1915 erfolgte eine schlichte Eröffnungsveranstaltung durch die beiden Geschäftsführer der Langenbeck-Virchow-Haus GbR von Trendelenburg und Landau.

Die Berliner Medizinische Gesellschaft tagte am 15. Oktober 1915 zum ersten Mal im neuen Haus unter Johannes Orth, die Chirurgen kriegsbedingt erst im Jahre 1920 unter August Bier.

Von 1915 bis 1945 hielt die Berliner Medizinische Gesellschaft ihre wissenschaftlichen Sitzungen im LVH ab.

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Verlust: Besetzung und Enteignung

Nach Kriegsende wurde das Haus durch die sowjetische Militärbehörde bis zum November 1949 besetzt. Während dieser Nachkriegszeit kam die gesamte kostbare Inneneinrichtung mit Bildern und Gestühlen abhanden.

1949 wurde zwischen der Regierung der DDR ("Hauptamt Verwaltung der DDR") und den Eigentümergesellschaften ein Pachtvertrag abgeschlossen. In den nächsten Jahren folgten Umbaumaßnahmen zur Aufnahme der "Volkskammer". Diese vor der Enteignung durchgeführten Baumaßnahmen entsprachen nicht der Aufbauverordnung der DDR vom 18.12.1950, die die Nutzung von durch Kriegseinwirkung beschädigten Häusern regelte. Das LVH hatte den Krieg vielmehr unversehrt überstanden und wurde demnach nur argumentativ in den "Aufbauplan" mit einbezogen. „Die  Aufbauverordnung wurde missbräuchlich angewandt“ (L. de Maiziére). Damit fehlte rechtmäßig die Voraussetzung für die spätere Enteignung, die erst - nach einer weiteren Aufbauverordnung vom 01.Februar 1953 - offiziell im April 1953 durch Eintragung ins Grundbuch: "Eigentümer: das Volk, Rechtsträger Sekretariat der Volkskammer" erfolgte. Zudem war die nach der "Verordnung für die Enteignung" notwendige Zustimmung des Oberbürgermeisters von Großberlin weder eingeholt, noch erteilt worden.

Ab 1951 bis 1976 tagte das Parlament der DDR, die »Volkskammer«, im Haus.

Im großen Saal des Langenbeck-Virchow-Hauses wurde 1953 der erste Präsident der Deutschen Demokratischen Republik, Wilhelm Pieck, wieder gewählt (seit 1949 Präsident).

Am 18. Januar 1956 wurde schließich in diesem Haus vor den Vertretern des ersten »Arbeiter- und Bauernstaates« die Aufstellung der Nationalen Volksarmee der DDR ausgerufen.

Noch im Mai 1963 lehnte die Regierung der DDR eine Zahlung als Entschädigung ab.


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Der Weg zur Rückübertragung

Mit der Wende 1989 schien sich eine Rückgabe des alten Eigentums an die Eigentümergesellschaften anzubahnen. Die Langenbeck-Virchow-Haus GbR leitete 1990 ein Restitutionsverfahren beim Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen ein.

Die Senatsverwaltung für Kulturelle Angelegenheiten von Berlin stellte im Januar 1993 eine kurzfristige Übergabe in Aussicht.

Vom Senat wurde 1995 eine gemeinsame Nutzung mit der Charité angeboten, die das Angebot annahm. Nach längeren Verhandlungen teilte dann die Charité mit, dass der Verkauf an die Eigentümer »aufgrund ausgesprochen hohen Eigenbedarfs« mittelfristig nicht in Frage käme.

Unerwartet lehnen 1994 das Amt zur Regelung offener Vermögensfragen, als auch die Widerspruchsbehörde die Rückübertragungsansprüche mit der Begründung ab, mit der Inanspruchnahme nach der Aufbauverordnung vom Febr. 1953 und Eintragung des Hauses in das Grundbuch (April 1953) sei das Haus mit Grundstück seinerzeit in das Eigentum des Volkes übergegangen. Eine Klage beim Verwaltungsgericht Berlin war erfolglos: das Gericht lehnte selbst die Revision des Verfahrens am 22.5.2001 ab.

2001 reichten die Gesellschaften beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Beschwerde gegen die Nichtzulassung einer Revision durch das Verwaltungsgericht Berlin vom Mai 2001 ein. Dieser Beschwerde wurde stattgegeben, weil am Verwaltungsgericht nicht ausreichend recherchiert worden sei, besonders im Hinblick auf die Tatsache, dass der Umbau des Hauses bereits vor der Inanspruchnahme als »Volkskammer« der DDR (1951) erfolgt sei. Diese vorzeitigen Maßnahmen entsprachen nicht der seinerzeit gültigen Aufbauverordnung der DDR vom 18.12.1950. Das Verfahren wurde daher vom Bundesverwaltungsgericht an das Verwaltungsgericht Berlin zurückverlegt.

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Rückgewinnung

Die rege Suche nach den Bauplänen der DDR-Behörden mit zeitlichen Angaben zum Umbau des Hauses war erfolgreich. Mit der Vorlage der aufgefundenen Dokumente der DDR konnte der Beweis erbracht werden, dass nach der Inanspruchnahme des Langenbeck-Virchow-Hauses durch die Regierung der DDR zwecks Nutzung als Volkskammer (1951) keine größeren Baumaßnahmen mehr erfolgten. Damit waren die Umbauten widerrechtlich zu einem Zeitpunkt erfolgt, als die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie und die Berliner Medizinische Gesellschaft noch die Besitzer des Hauses waren. Nach Vorlage dieser amtlichen Dokumente der DDR urteilte das Verwaltungsgericht Berlin letztinstanzlich am 10.9.2002, dass das Langenbeck-Virchow-Haus an die beiden Deutsche Gesellschaften rückzuübertragen sei (rechtskräftig seit dem 23.11.2002 mit Bestandskraft ab April 2003). Am 13.2.2003 wurde, zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, die Rückübertragung in einem Festakt im Foyer des Langenbeck-Virchow-Hauses gefeiert.

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Restaurierung und Neubeginn

Im ersten Schritt vor einer Restaurierung kam es zur Gründung einer Langenbeck-Virchow-Haus GbR  (http://www.langenbeck-virchow-haus.de), so dass im Jahre 2004 der Abschluss eines Kooperationsvertrages  zwischen der LVH-GbR und der Firma Aesculap als Unternehmen der B. Braun Gruppe möglich wurde. Gleichzeitig wurde eine Niederlassung der Aesculap Akademie als Stätte des Wissens und Dialogs geschaffen. Aber auch andere Fachgesellschaften und -Verlage, einschließlich der BMG, erhielten in vertraglicher Anbindung an die LVH-GbR ihre Heimstätte im Langenbeck-Virchow-Haus. Damit waren die rechtlichen Voraussetzungen gegeben, bei Beibehaltung der Gemeinnützigkeit der BMG als Miteigentümer des Hauses, mit umfangreichen Renonovierungsmaßnahmen zu beginnen.  

Zur Wiederherstellung (»Revitalisierung«) des Langenbeck-Virchow-Hauses in seinen ursprünglichen Zustand gab es eine zweijährige Planungs- und eine Bauphase. Die Wiedereröffnung und der Nutzungsbeginn waren auf den 1. Oktober 2005 datiert. Seitdem hat sich das Langenbeck-Virchow-Haus zu einem lebendigen Veranstaltungszentrum entwickelt. 

In den Folgejahren hielt die Berliner Medizinische Gesellschaft ihre Wissenschaftlilchen Sitzung im Langenbeck-Virchow-Haus ab (siehe eigene Seite). 

Veränderungen in den Besitzverhältnissen ergaben sich erst 2014, als der ehemalige Mieter, die Aesculap-AG., das von ihr erweiterte und seit Jahren für die Aesculap-Akademie genutzte   

5. Obergeschoss übernahm. Somit nehmen jetzt die 3 Eigentümer die Fortbildung im LVH wahr: Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie, die Berliner Medizinischen Gesellschaft und die Aesculap AG. Das Haus, weiterhin verwaltet über die Langenbeck-Virchow-Haus GbR,  erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit und ist – auch Dank seines historischen Hörsaals – gut ausgebucht. Es beherbergt zudem neben den Eigentümern und dem Berufsverband der Deutschen Chirurgen verschiedene assoziierte chirurgische Fachgesellschaften.


Renovierung: Bauplakat an der Fassade
Renovierung: Bauplakat an der Fassade
Renovierung: Dacheinbau Baustelle, Blickrichtung Charité-Altgelände
Renovierung: Dacheinbau
Renovierung: Dacheinbau fertig
Renovierung: Dacheinbau (fertig)


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Literatur:

Peiper, Hans-Jürgen: Das Langenbeck-Virchow-Haus im Spiegel der Geschichte. Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Chirurgie, Einhorn-Presse Verlag, 2001

© 2007, Berliner Medizinische Gesellschaft