Berliner Medizinische Gesellschaft




Die Albrecht-von-Graefe-Medaille und ihr Hintergrund

Die Albrecht-von-Graefe-Medaille

Albrecht-von-Graefe-MedailleSeit 1980 wird die Albrecht-von-Graefe-Medaille an Kollegen verliehen, die in der Medizinischen Wissenschaft, Forschung und Lehre herausragende Leistungen erbracht haben. Bisher erhielten die Medaille R.W.Schlesinger (1981), Hans Herken (1981), Ernst Ruska (1983) und Heinz-Günter Wittmann (1984), Robert C. Gallo (2002), Helmut Kewitz (2003), Klaus Aktories (2005), Hans Scherer (2006), Günter Stock (2008), Ivar Roots (2010), Gerd-Rüdiger Burmester (2015) und Michael Foerster (2017). 

Vor der Verleihung im Jahr 2002 musste der Vorstand feststellen, dass alle Medaillen vergeben waren. So wurde 2001 die Medaille von Ernst Ruska, Nobelpreisträger und Mitglied in der Gesellschaft, aus dem Archiv der Max Planck-Gesellschaft ausgeliehen, die als Vorlage für eine Neuprägung diente.

Albrecht von Graefe

Albrecht-von-Graefe-Denkmal, Luisenstraße Ecke Schumannstraße Friedrich Wilhelm Ernst Albrecht von Graefe, kam am 22.05.1828 in seinem Elternhaus in Berlin-Tiergarten zur Welt. Bei dem Haus handelte es sich um die Villa Finkenherd, die 1824 von Karl Friedrich Schinkel (1781 - 1841) für die Familie errichtet wurde. Das Haus wurde 1943 durch Kriegseinwirkung zerstört. An seiner Stelle wurde aus Anlass des 100sten Todestages von Albrecht von Graefe eine Gedenkstele errichtet, auf der zu lesen ist: 

„Hier stand der Finkenheerd, das Geburtshaus Albrecht von Graefes, geb. 22. Mai 1828, gest. 20. Juli 1870“ (1).

Graefe war der erste Vorsitzende der Gesellschaft von 1860 - 1870.

Dieser herausragende Augenarzt hatte als erster den Augenspiegel in die Praxis eingeführt, der nur wenige Monate zuvor im Jahre 1850 von Hermann von Helmholtz in Königsberg erfunden worden war. Damit war A. von Graefe einer der ersten, der das Innere des menschlichen Auges untersuchte und alsbald Operationen am Auge durchführte.  Graefe verstarb am 20.07.1870 in Berlin.

Das Bild zeigt das Albrecht-von-Graefe-Denkmal in der Luisenstraße.

Albrecht von Graefe – Augenspiegel

Augenspeigel von Albrecht von GraefeDer Berliner Augenarzt Albrecht von Graefe ließ sich, nach Rücksprache und Genehmigung durch Herrmann von Helmholtz, einen Augenspiegel durch einen Berliner Mechaniker anfertigen (2). Dieser Augenspiegel, anfangs nach dem Original des Helmholtz-Spiegels, wurde alsbald vereinfacht, indem ein Loch in den Spiegel eingelassen wurde, durch den der Betrachter des Augenhintergrundes schaute (3).

Der abgebildete Augenspiegel aus dem Besitz des Hämatologen und Erstbeschreiber des Knochenmarks als Blutbildungsorgan Ernst Christian Neumann (1834 – 1918), Schüler von Albrecht von Graefe laut Vorlesungsaufzeichnungen aus dem Wintersemester 1856/57 (Berlin) und von H. von Helmholtz (Königsberg), dürfte aus den 60er, spätestens den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts stammen und wurde hergestellt von der Firma Pack und Flohr, Berlin (4).

Der Augenspiegel befindet sich heute im Privatarchiv der Franz-Neumann-Stiftung, vergl. www.gelehrtenfamilie-koenigsberg.net und www.ernst-neumann-koenigsberg.de.

E. Koch: »Professor von Graefe bei der Operation«

Radierung: Albrecht von Graefe

Diese Radierung befand sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in unserer Bibliothek. Das Original stammte von E. Koch. Hier: Abdruck aus der Zeitschrift: Allgemeine Illustrierte Zeitung, Nr. 2 (1870) Ueber Land und Meer, S. 28 (Aus dem Privatarchiv der Franz Neumann-Stiftung)

Finkenherd

Villa Finkenherd, Geburtshaus Albrecht von Graefes (vergl. Text oben). Bei der Aufnahme handelt es sich um die Fotografie eines Gemäldes von Ferdinand Gropius (1796 - 1830), die uns freundlicherweise von Hubertus v. Dallwitz zur Verfügung gestellt wurde.


Literatur:

1. Zu danken ist einem Leser dieser Homepage für die Richtigstellung ehemals falscher Angaben zum Geburtsort auf dieser Seite. Bei diesem Hinweis heißt es zum Namen "Finkenheerd" bzw. "Finkenherd" weiterhin: 

"Zum Namen „Finkenherd“ schrieb Prof. Dr. Dr. med. Walter Hoffmann-Axthelm (April 1970) in den „Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins“: „Diese Flurbezeichnung („Finkenheerd“), die Graefe auf sein Haus übertrug, ging auf die Überlieferung zurück, daß an dieser Stelle im Hetz- und Tiergarten Kurfürst Joachims II. (1535 – 1571) ein Finkenherd gestanden haben soll.“  (Mitteilung am 02.10.2016 von Hubertus v. Dallwitz)

2. Koenigsberger, L.: Hermann von Helmholtz. Bd.1:1902, Bd.2,3: 1903 Vieweg, Braunschweig

3. Neumann-Redlin von Meding, E.: Hermann von Helmholtz in Königsberg. Königsberger Bürgerbrief Nr.47 (1996) S. 37-39

4. Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Abteilung Handschriften und seltene Drucke, Papendiek 14: I: Cod.Ms. Ernst Christian Neumann Nr.2: Vorlesungsnachschriften: Vorlesungen, gelesen von H. von Helmholtz und A. von Graefe.

zum Seitenanfang
© 2007, Berliner Medizinische Gesellschaft